Samstag, 14. Juni 2008

Der Ball ist rund...

...und ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel, kann aber für den Zuschauer auch vor einem Herzinfarkt bedeuten.
Diesen Zusammenhang fanden Wissenschaftler der Universität München heraus. Sie analysierten die Notaufnahmeeinweisungen während der Weltmeisterschaft 2006. Nach den Spielen des Deutschen Teams waren die Aufnahmen wegen eines Herzinfarktes oder einer Herzrhythmusstörungen mehr als doppelt so hoch wie zu anderen Zeiten. Männer waren stärker betroffen als Frauen, bei ihnen war das Risiko um den Faktor 3,3 erhöht, bei Frauen um den Faktor 1,8. Bei Spielen anderer Teams zeigte die Rate an Ereignissen keinen Unterschied.
Was sagt diese Studie dem Arzt? Emotionaler Stress ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Dieser Zusammenhang sollte bei der Prävention von Herzkreislauferkrankungen berücksichtigt werden.
Was sagt diese Studie den Fußball-Fans? Genießt die schönste Nebensache der Welt entspannt. Zu Risiken und Nebenwirkungen des EM-Spiels Deutschland gegen Österreich am Montag fragt Euren Arzt, und wenn der schon Fußball schaut zur Not auch Euren Apotheker.

Samstag, 7. Juni 2008

Trocken durch Training.

Nach einer radikalen Prostataentfernung sollte es für jeden Mann selbstverständlich sein: das intensive Training der Beckenbodenmuskeln zur Wiedererlangung und Stärkung der Kontinenz. Aber die tägliche Erfahrung in der urologischen Sprechstunde zeigt, längst nicht alle Betroffenen praktizieren die Übungen richtig und mit der gebotenen Regelmässigkeit. Mari Overgard vom St. Olavs Hospital in Trondheim/Norwegen untersuchte in einer Studie an 85 Männern, ob sich mit einer konsequenten Beübung eine bessere Kontinenz erzielen lässt (Eur Urol 2008). Alle Männer erhielten nach der Operation eingehenden Instruktionen über die richtige Anspannung der Beckenbodenmuskeln und wurden ermutigt, die Übungen intensiv zu Hause auszuführen. Die Teilnehmer wurden auf zwei Gruppen verteilt: Gruppe A wurde über ein Jahr zum regelmässigen Training bei einem Physiotherapeuten eingeladen und Gruppe B trainierte allein zu Hause (oder auch nicht). Während nach drei Monaten noch ähnliche Ergebnisse bezüglich der Kontinenz zu verzeichnen waren, wiesen Overgard und seine Kollegen nach einem Jahr einen signifikanten Unterschied nach. Männer unter physiotherapeutischem Training waren signifikant kontinenter als jene unter Heimtraining. Die Botschaft dieser Studie: Mit der richtigen Motivation und Anleitung verbessert Beckenbodentraining die Kontinenz, und das bis zu 12 Monate nach der Operation. Hier noch die empfohlene Dosis: mindestens dreimal täglich 20 Kontraktionen bestehend Anspannen, Halten und Entspannen. Na dann viel Spass!