Der Autor Walter Raaflaub, selbst Arzt, erkrankt 2002 an einem Prostatakarzinom. Eine radikale Operation besiegt den Krebs, doch der Eingriff führt zu Impotenz. In eindringlichem Tagebuchstil beschreibt der Autor das Thema Impotenz mit einer bisher nicht erreichten Offenheit. Ein Buch, das Betroffenen Mut macht.
Mittwoch, 28. November 2007
Mut zur Offenheit
Der Autor Walter Raaflaub, selbst Arzt, erkrankt 2002 an einem Prostatakarzinom. Eine radikale Operation besiegt den Krebs, doch der Eingriff führt zu Impotenz. In eindringlichem Tagebuchstil beschreibt der Autor das Thema Impotenz mit einer bisher nicht erreichten Offenheit. Ein Buch, das Betroffenen Mut macht.
Dienstag, 20. November 2007
Mehr als nur gegen Falten – BOTOX in die Prostata
Ab dem 30. Lebensjahr beginnt die normalerweise kastanien-grosse Prostata zu wachsen und kann im Laufe der Jahre die Harnröhre einengen. Störungen der Blasenfunktion mit abgeschwächtem Harnstrahl, häufigem Harndrang und unvollständiger Entleerung sind die Folge. Ab dem 50. Lebensjahr ist früher oder später jeder zweite Mann betroffen. Zur Behandlung der Beschwerden werden zunächst Medikamente eingesetzt. Falls diese nicht ausreichend wirksam sind, kann eine Operation helfen. In Tierversuchen an Ratten beobachtete man nun nach der Injektion des Bakteriengiftes Botulinumtoxin eine Schrumpfung der Drüse. Mit diesen Erkenntnisse wurde eine Injektion von Botulinumtoxin (Botox®) in die Prostata bei Männern mit gutartiger Prostatavergrösserung und einem Prostatavolumen um 50 ml untersucht, die nicht auf eine medikamentöse Therapie ansprachen, eine Operation jedoch ablehnten. In einer prospektiven randomisierten und kontrollierten Studie wurden 200 Einheiten Botox® direkt in die Prostata injiziert. Danach berichteten 13 von 15 Patienten über einen drastischen Rückgang der Beschwerden. Die Beschwerden reduzierten sich um 65%, das Prostatavolumen um 68%, der Restharn um 83% und der PSA-Wert um 51% (Maria et al. Urology 2003). In einer aktuellen Studie untersuchte man den Effekt einer Injektion von Botox® bei Männern mit Prostatabescherden und einem Prostatavolumen kleiner als 30 ml. Auch hier fand man eine signifikante Verbesserung der Beschwerden, der Harnstahlstärke und des Restharns (Chuang et al. Urology 2005). Das Toxin bewirkt über eine Hemmung der Ausschüttung der Botenstoffe Acetylcholin und Noradrenalin eine Schrumpfung der Prostata, kann den Tonus der Muskulatur in der Prostata reduzieren und die Obstruktion positiv beeinflussen. Weiterhin blockiert das Botulinumtoxin über sensible Nerven die Übertragung von Schmerz und wirkt entzündungshemmend. Die Injektion des Toxins in die Prostata ist unkompliziert und meist in lokaler Betäubung möglich. Die Wirkung einer Injektion hält mehrere Monate an, in Einzelfällen sogar bis zu einem Jahr. Weitere positive Studienergebnisse vorausgesetzt, könnte sich das Botulinumtoxin bei Prostatabeschwerden zwischen Medikament und Operation positionieren oder als Alternative zur Operation bei nicht operationsfähigen Männern dienen. Nicht nur zur Faltenglättung eingesetzt, kann das Botulinumtoxin auch bei Männernöten wirksam sein.
Mittwoch, 14. November 2007
Das Angenehme mit dem Nützlichen.
Steirerman, das Bier mit der Kraft der Kürbiskerne, so nennt eine Brauerei aus Wien ihr Produkt und versetzt es mit einem Extrakt steirischer Kürbiskerne. Vollmundig verspricht die Website Frauen und Männern Vorbeugung und Linderung von Unpäßlichkeiten "südlich des Äquators", gemeint sind hier wohl Blasen- und Prostatabeschwerden. Extrakte aus Kürbiskernen werden in der Tat als sogenannte Phytotherapeutika, also pflanzliche Arzneimittel in der Behandlung der gutartigen Prostatavergrösserung eingesetzt. Unter den Schlagwörtern „Prostataleiden“ oder „Blasenschwäche“ vertrieben, werden sie als Naturprodukte ohne Chemie beworben und sind leicht auch ohne Verschreibung in der Apotheke erhältlich. Zudem werden einige Präparate von den Krankenversicherungen erstattet. Kein Wunder also, dass der Markt der Phytotherapeutika boomt und jährlich weltweit einige Milliarden Euro für diese Produkte ausgegeben werden. Phytotherapische Medikamente bestehen aus Zubereitungen aus Wurzeln, Samen, Rinde oder anderen Bestandteilen von Arzneipflanzen. Derzeit werden Wirkstoffe aus Sägepalme (Serenoa repens), Brennnesselwurzel (Urtica dioica), Kürbissamen (Cucurbitas pepo), Roggenpollen (Secale cereale), Afrikanischem Zwetschgenbaum (Pygeum africanum) oder der Afrikanischen Knolle (Hypoxis rooperi) zur Behandlung von Prostatabeschwerden eingesetzt. Nun enthalten diese Präparate meist eine Vielzahl von potentiell wirksamen Bestandteilen in unterschiedlichsten Konzentrationen, sodass im einzelnen weder der Wirkungsmechanismus bekannt ist, noch die Substanzen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit miteinander verglichen werden können. In der Praxis werden Phytotherapeutika gerade bei milden Beschwerden recht häufig eingesetzt, wobei die Wirkung möglicherweise auf einer Hemmung des Enzyms 5alpha-Reduktase beruht. Eine Reihe von Studien konnte positive Effekte bei Männern mit Prostatabeschwerden zeigen, und nicht wenige Männer können potentiell von einer Behandlung mit den genannten Phytotherapeutika profitieren. Ob dieser Effekt gemessen an allgemein akzeptierten Kriterien über den eines Placebo hinausgeht, müssen Untersuchungen in der Zukunft erweisen. Ob allerdings ein mit Kürbiskernextrakt versetztes Bier Blasen- und Prostataproblemen vorbeugen oder bestehende Beschwerden lindern kann, bleibt fraglich. Bier aus der Apotheke ist also vorerst nicht zu erwarten. Unbestritten allerdings darf man zu einem witzigen Marketing-Gag gratulieren.
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